Siedlungsleben/Mitwirkung

«Parlez-vous Nachbarschaft?» Wie eine Sprachgruppe Menschen verbindet

Französisch sprechen, Kontakte knüpfen, Nachbarschaft leben: Mit einer Sprachgruppe ist im Mattenhof 3 ein Ort der Begegnung und des Austausches entstanden – mit einem prägnanten Namen.

Mais oui!

Die Stimmen mischen sich im Gemeinschaftsraum des Neubaus Mattenhof 3. Erst zaghaft, dann rasch lebhafter. Ein Lachen ist zu hören, dann ein «mais oui!». Plötzlich trägt sich das Gespräch wie von selbst – und das auf Französisch. Wer neu dazustösst, spürt sofort diese besondere Atmosphäre: vertraut, offen, fast schon eingespielt.

Kaum zu glauben, dass sich diese Runde erst vor Kurzem gefunden hat. Die «Groupe Le Matten’of» ist ein junges Nachbarschaftsprojekt innerhalb der Genossenschaft. Seit gut sechs Monaten bringt die französische Gesprächsrunde Bewohnende zusammen, die ihre Begeisterung für die Sprache und Kultur der Romandie und Frankreichs teilen.

Anziehungskraft zur Romandie

Initiiert wurde sie von Markus Kaiser. Den Bewohner aus dem Mattenhof 3 hat seine Verbindung zur Westschweiz nie ganz losgelassen – zur Sprache, zu ihrem Klang, zur frankofonen Lebensart.

«Während meiner Berufstätigkeit hatte ich regelmässig mit der Romandie zu tun und wollte meine Französischkenntnisse auch im Ruhestand lebendig halten», sagt er.

Für ihn ist Französisch weit mehr als Kommunikation: Die Sprache vereint atmosphärische Sinnlichkeit mit geistigem Scharfsinn. Aus diesem Antrieb entstand eine Idee. Nach zwei Besuchen in einem Sprach-Café eines Gemeinschaftszentrums war für ihn klar: Ein solches Angebot braucht es auch im Sunnige Hof.

Über die Sunnige Hof App suchte Markus Kaiser gezielt nach Interessierten und sprach Nachbar*innen direkt an. Mit Erfolg: Innerhalb kurzer Zeit formierte sich eine engagierte Gruppe. Als sie sich erstmals im Gemeinschaftsraum traf, trug sich das Konzept von Beginn an selbst. Die Gespräche entwickelten eine eigene Dynamik – lebendig, ungezwungen und getragen vom gegenseitigen Interesse. Heute zählt die Runde sieben Teilnehmende.

Lernen ohne Leistungsdruck

Eine klassische Unterrichtssituation gibt es nicht. Die Gruppe organisiert sich selbst und verzichtet bewusst auf Korrekturen und Leistungsdruck. Statt Grammatikübungen stehen Austausch und Diskussionen im Zentrum. Die Themenvielfalt reicht von persönlichen Interessen und dem Leben in der Genossenschaft über kulinarische Entdeckungen und Reiseerfahrungen bis hin zu kulturellen Unterschieden zwischen Deutsch- und Westschweiz oder aktuellen politischen Fragen.

Das Lernen geschieht nebenbei – durch Freude, Neugier und den Mut, einfach zu sprechen.

Mehr als ein Sprachkreis

Die «Groupe Le Matten’of» ist auch ein sozialer Treffpunkt. Offenheit, Neugier und gegenseitige Unterstützung prägen die Stimmung – ganz im Sinne eines «esprit français».

«Durch die regelmässigen Treffen haben sich Freundschaften entwickelt», sagt Markus Kaiser.

Die Verbindungen reichen über den Sprachkreis hinaus: Man begegnet sich im Haus, kommt ins Gespräch und tauscht Empfehlungen, Erfahrungen oder praktische Tipps aus. Besonders sichtbar wird diese Dynamik bei gemeinschaftlichen Anlässen wie einem HausApéro – wer sich kennt, engagiert sich eher und hilft mit. So entsteht ein positiver Kreislauf aus Begegnung, Vertrauen und Beteiligung.

Der Urgedanke der Genossenschaft

Die «Groupe Le Matten’of» ist gelebte Nachbarschaft: als Teilen von Interessen, als Einladung, sich einzubringen und das Zusammenleben mitzugestalten.

«Dieser Austausch entspricht dem Urgedanken einer Genossenschaft», sagt Markus Kaiser.

Ganz nach dem Motto: Il faut en profiter.

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